Jetzt stell dir vor, es ist dunkel. Es regnet. Jemand liegt auf einem unebenen Waldweg und reagiert nicht. Dein Handy hat keinen Empfang. Du kniest dich hin und merkst: Die stabile Seitenlage funktioniert nicht, weil der Boden schräg ist und der Kopf nach vorn fällt. Du erinnerst dich an „Notruf wählen", aber du hast kein Netz. Du erinnerst dich an die Pause um halb zehn.
Dahinter steckt ein Denkfehler, den wir Zivilisationsbias nennen.
Die stille Annahme, dass Rettung immer erreichbar ist: ein Anruf, und in Minuten ist Hilfe da. Dieses System ist bei uns so verlässlich, dass wir vergessen, an wie vielen Bedingungen es hängt — Netz, Straße, Erreichbarkeit, Tageslicht. Fällt davon etwas weg, kommt die Hilfe nicht in Minuten, sondern in Stunden. Dann wird aus Erste Hilfe zeitweise die einzige Hilfe.
Verzögert sich die Rettungskette, liegt zwischen dem Erste-Hilfe-Kurs beim Führerschein und einer medizinischen Berufsausbildung ein Niemandsland. Kein anerkannter Zwischenschritt, der auf genau diese Lage vorbereitet. Andere Länder haben diese Lücke längst geschlossen: In den USA gibt es mit Wilderness First Aid (WFA) und Wilderness First Responder (WFR) ein abgestuftes System für alle, die draußen Verantwortung tragen.
Wir wollen einen medizinischen Standard für ressourcenarme Situationen schaffen. Für die Lücke, wo die Laienausbildung aufhört und die Berufsausbildung noch nicht beginnt.
Aktuell gibt es dafür keinen Standard in Deutschland, aber wir arbeiten daran.
Evidenzbasiert, praxiserprobt und standardisiert.